Herausforderungen

Konflikt-Potenziale bei der Gruppenhaltung

Die Gruppenhaltung von Pferden stellt Stallbetreiber regelmäßig vor große Herausforderungen. Dabei geht es zum einen um die Bedürfnisse der Pferde. Denn die allgemeinen Grundbedürfnisse mögen zwar bei allen gleich sein. Doch zwischen verschiedenen Rassen und Individuen gibt es eine Menge unterschiedlicher Ausprägungen und Abstufungen. Zum anderen gehört zu jedem Pferd auch mindestens ein Mensch mit seinen ganz eigenen Vorstellungen.

Typische Anlässe für Meinungsverschiedenheiten sind z. B.:

Inhomogene Pferdegruppen

In Pensionsbetrieben sind Pferdeherden häufig bunt gemischt: Da teilen sich das Rentner-Shetty und der Distanz-Araber eine Raufe und der Turnier-Warmblüter krault dem Freizeit-Haflinger die Mähne. Selbst wenn die Tiere sich gut vertragen, die Unterschiede in Größe, Futterverwertung und Bewegungsbedarf erfordern beim Herden-Management viel Umsicht und Kreativitität. Denn alle sollen satt werden, aber kein Pferd zu dick. Alle brauchen den Platz und die Gelegenheit, sich ausreichend zu bewegen, aber auch mal zur Ruhe zu kommen. Und nicht zuletzt müssen die Zäune Groß und Klein gleichermaßen sicher behüten. Gestüte haben es da häufig leichter, weil sie homogene Pferdegruppen bilden, die über längere Zeiträume zusammen bleiben. Doch Pensionsbetriebe und private Kleingruppen-Halter brauchen ein vernünftiges Konzept, um immer mal wieder Neuzugänge in die Herde zu integrieren.

„Geschlechterkampf”

Strikte Trennung von Stuten und Wallachen – oder lieber gemischt-geschlechtliche Herden? Hier scheiden sich die Geister. Eine Patentlösung gibt es nicht – richtig ist, was im konkreten Fall funktioniert. Was nach unserer Erfahrung oft hilft, ist ein ausreichend großes Flächenangebot. Doch da kommt jeder Pferdebetrieb irgendwann an seine Grenzen. Geduld, Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl beim Zusammenstellen der Herde machen vieles möglich. Selbst mit Hengsten gibt es Beispiele für erfolgreiche Gruppenhaltungen.

Faktor Mensch

Pferdebesitzer wollen das Beste für ihr Pferd. Was das ist? Darüber gehen die Meinungen unter Pferdebesitzern mitunter weit auseinander. Und zwischen Einsteller und Stallbetreiber ebenso. Um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, brauchen Stallverantwortliche häufig viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Sonst gipfelt der Konflikt am Ende in einem Stallwechsel. Und das ist für die Pferde selten die beste Lösung. Denn jeder Auszug oder Einzug eines Pferdes sorgt für Unruhe am alten und am neuen Stall. Die Pferdegesellschaften müssen sich mit der neuen Konstellation arrangieren und die Rangordnung neu verhandeln. Das bedeutet Stress für alle. Deshalb ist es nach unserer Erfahrung meist sinnvoller, Konflikte zwischenmenschlich zu lösen. Klare Absprachen, an die sich alle alle Beteiligten halten, helfen dabei.